Im 114 Jahre alten, ehemaligen Bierkeller hat Arnold Graf seinen Whiskykeller eingerichtet. Mit der Einweihung dieses Kellers hat die Sonnenbräu AG Rebstein gestern auch ihren neuen Single Malt Whisky vorgestellt.

REBSTEIN. Normalerweise werden bei Sonnenbräu neue Produkte im hauseigenen Braustübli präsentiert. Anders gestern Vormittag, denn da ging’s drei Stockwerke tiefer, «an einen Ort, der mich schon etwas emotional aufstellt», sagte Sonnenbräu-Geschäftsführer Arnold Graf. Vor 114 Jahren habe hier sein Urgrossvater, Eduard Graf, seinen ersten modernen Lagerkeller mit Zentralkühlung angeschlossen und eine Kühlmaschine in Betrieb genommen.

1907 war der Lagerkeller voller Holzfässer, dahinter befand sich der Eiskeller, davor der Filterkeller. Die Abfüllerei sei direkt Richtung Strasse angelegt worden. Vor 114 Jahren wurden etwa 5000 Hektoliter Bier gebraut, «eine recht stolze Menge für eine Brauerei, die erst 16 Jahre alt war», betonte Graf.

Neuer Keller, neuer Whisky

Wer nun den Keller betritt, stösst auf ein spezielles Ambiente. Nichts erinnert an den alten Bierkeller. Links an der Wand ist ein grosses Gestell angebracht, darin lagern einige Whisky-Fässer. Längs im Raum stehen Tische und Bänke, alles mit Kerzenlicht beleuchtet. Gestern wurde nicht nur dieser für eine Brauerei eher unübliche Keller eingeweiht, sondern auch der neue Whisky made in Rheintal präsentiert. Arnold Graf: «Heute, 104 Jahre später, behaupte ich, ein gutes Produkt vorstellen zu dürfen, nämlich unseren Single Malt Whisky.» Seines Wissens sei der Sonnenbräu Single Malt Whisky der älteste Whisky der Schweiz. Bis 1999 war das Brennen von Whisky in der Schweiz verboten. Spirituosen durften nur aus Kern- und Steinobst hergestellt werden.

Nicht jeder Jahrgang gleich

Der neue Whisky steht mit seiner Qualität dem Ribel-Whisky in keiner Weise nach. Ein Single Malt Whisky werde in Branchenkreisen als ein spezieller, besonders hochwertiger Whisky bezeichnet.

Single Malt Whisky wird ausschliesslich aus gemälzter Gerste hergestellt und stammt aus einer einzigen Destillerie. Weil er nicht mit anderen Whiskys verschnitten werden darf, haben Single Malt Whiskys eine spezielle Note, die sich nach Art der Destillerie, deren Verfahren und Produktionsmöglichkeiten richtet. Fällt ein Whisky aus dem Rahmen, empfiehlt sich, ihn als Blendet-oder Pure Malt Whisky, also verschnitten, auf den Markt zu bringen. «Da unsere Brauerei aufgrund des relativ geringen Vorrats keinen Verschnitt anbieten kann, fehlt uns auch diese Möglichkeit des Verschneidens», sagte Graf. Deshalb könne es vorkommen, dass jeder Whiskyjahrgang etwas differenzierter ausfalle.

150 Flaschen bleiben

Graf bezeichnet seinen Single Malt Whisky als sehr runden, süffigen Whisky. Er ecke nicht an, habe keinen Jodgeschmack und sei durch seine lange Lagerung von über acht Jahren weich, aromatisch, mit einem leichten Taningeschmack. Der einzige Unterschied zum letztjährigen Whisky sind die Rohstoffe. Während beim letztjährigen noch Ribelmais einen Teil der Rohstoffe ausmachte, ist es beim Whisky, der dieses Jahr verkauft wird, ausschliesslich Gerstenmalz, das zu 30 Prozent aus einer einheimischen Braugerste hergestellt wurde. «Von den insgesamt 550 abgefüllten Flaschen sind bereits 400 Stück verkauft oder als Reserve für Eigenzwecke auf die Seite gestellt», sagte Graf.